Librettist, Komponist, Schriftsteller u. Musikkritiker
Arrigo Boito, eigentlich Enrico Giuseppe Giovanni Boito, wurde am 24. Februar 1842 in Padua geboren — Sohn eines italienischen Miniaturmalers und einer polnischen Gräfin. Früh zog es ihn zum Mailänder Konservatorium, wo er seine kompositorische Begabung unter Beweis stellte und ein Stipendium erhielt, das ihm eine prägende Parisreise ermöglichte.
In Paris begegnete er Giuseppe Verdi zum ersten Mal und schrieb 1862 den Text zu dessen Hymne der Nationen. Doch die Beziehung der beiden Giganten blieb zunächst spannungsgeladen: Boito hatte in Artikeln, von Richard Wagner beeinflusst, die zeitgenössische italienische Oper scharf kritisiert — und Verdi persönlich getroffen.
1868 erlebte Boitos eigene Oper Mefistofele an der Mailänder Scala ihre umstrittene Uraufführung. Das Publikum war gespalten, beinahe kam es zum Tumult. Erst die überarbeitete Fassung von 1875 wurde ein dauerhafter Triumph. Die Versöhnung mit Verdi 1873 ebnete den Weg für eine der fruchtbarsten Zusammenarbeiten der Operngeschichte: Otello (1887) und Falstaff (1893) verdankten ihre vollendeten Libretti Boitos dichterischem Genie.
Boito war zugleich Dichter, Essayist und Romancier — zentraler Repräsentant der Scapigliatura, der norditalienischen Bohème-Bewegung. Er starb am 10. Juni 1918 in Mailand, ohne seine zweite Oper Nerone vollenden zu können.
