Arrigo Boito wurde am 24. Februar 1842 in Padua als zweiter Sohn des Miniaturmalers Silvestro Boito (1802–1856) und Giuseppina Boito, geb. Józefa Radolińska, einer verwitweten polnischen Gräfin geboren. Mit neun Lebensjahren verfasste „Enrichetto“ so wie seine Mutter Ihn nannte bereits seine erste Kompositionen, u. a. eine Polka auf "La donna è mobile" aus der 3. Akt Verdis Rigoletto. Ab 1853 studierte er am Mailänder Konservatorium in den Klassen für Violine, Klavier und Komposition -dafür müsste seine inzwischen alleine stehende Mutter kaum zu bewaltigen Opfer bringen- und dort schloss er 1855 Freundschaft mit seinem Mitstudenten, dem späteren Komponisten und Europaweit sehr geschätzten Dirigenten Franco Faccio. Nach Beendigung ihr Studiums begaben beiden sich auf eine Reise durch Europa... auch nach Paris, wo sie u.a. mit Gioachino Rossini und Giuseppe Verdi zusammentrafen. Und dort auchz schrieb Boito 1862 die Verse der Inno delle Nazioni die von Giuseppe Verdi aus Anlass der Weltausstellung in London vertont wurden. Auf der Rückreise nach Mailand besuchten beiden auch noch England, Deutschland und Polen. Polen vor allem als Vaterland Boitos Mutter.
1862–1871
Zurück In Mailand (November 1862) gehörte Arrigo Boito für die nächsten fünf Jahre der revolutionären Intellektuellen-Bewegung Scapigliatura an, verfasste innerhalb dieser Bewegung mehrere (oft scharfe) Kritiken und Gedichte und schrieb für sein Freund Franco Faccio das Libretto Amleto nach William Shakespeares Tragödie Hamlet. (Uraufführung am 30. Mai 1865 in Genua) 1866 nahm Boito als Freiwilliger und ebenfalls mit Faccio an den Freiheitskriegen gegen Österreich teil, und am 5. März 1868 fand die Uraufführung seiner ersten Oper Mefistofele (nach Goethes Faust. Eine Tragödie) an der Mailänder Scala statt... das Uraufführung fiel aber durch (u. a. weil der im Dirigieren vollständig unerfahrene Boito die musikalische Leitung selbst übernehmen musste) und weil die Oper viel zu lang dauerte. Scheinbar um die 6 - 7 Stunden. Daraufhin revidierte Boito das Werk gründlich, verkürzte es drastisch... auch wurde die Rolle des Faust, die ursprünglich für eine Baritonstimme geschrieben war, in eine Tenorpartie umgewandelt. So wurde darauf am 4. Oktober 1875 die revidierte Fassung am Teatro Comunale in Bologna uraufgeführt und war sofort ein großer Erfolg. Und so bleibt noch... Mefistofele ist die einzige Oper Boitos, die sich mit zunehmender Aufführungsfrequenz und Beliebtheit bis heute im Opernrepertoire gehalten hat, wenn auch Nerone (Nero) immer öffter der Weg zur Bühne findet und Erfolgreich angenommen wird. Nach das Fiasco Mefistopele übersetzte Boito das Libretto Richard Wagners Rienzi ins Italienische, auch wohnte er gemeinsam mit Franco Faccio am 19. November 1871 in Bologna die Aufführung von Wagner Lohengrin bei: es war gleichzeitig die erste Aufführung ein Werk von Wagner in Italien. Auf der Rückreise nach Mailand, und weil beiden der letzten Zug verpasst hatten, trafen sie um 3 Uhr nachts im Bahnhof mit Verdi zusammen, und sie unterhielten sich über die Unbequemlichkeit des Schlafens in der Eisenbahn. Vielen aber... auch heute bedauern es dass wegen ein früherers Spannungsfeld zwischen beiden, die Begegnung nicht zu mehr führte, denn auch zur dieser Zeitpunkt wusste Verdi bereits auf welcher außergewöhnliche weise Boito die Kunst der Librettoverfassung verstand.
1874–1893
1874 verfasste Boito für Amilcare Ponchielli (1834–1886) das Libretto für dessen Opernvorhaben La Gioconda, die dan am 8. April 1876 an das Teatro alla Scala unter der leiting von Franco Faccio Erfolgreich uraufgeführt wurde. In den darauf folgenden Jahren widmete sich Boito hauptsächlich der Dichtkunst und Übersetzungen... 1876 übersetzte er Wagners Tristan und Isolde (italienische Erstaufführung 2. Juni 1888 in Bologna) und die Wesendonck-Lieder. Ebenfalls von Boito stammt die Übertragung des Freischütz von Carl Maria von Weber. Im Sommer 1879 skizzierte er für Verdi das Textbuch für Otello, dessen ersten Entwurf der Komponist am 18. November 1879 erhielt. 1880/81 arbeiteten beide dann an der Neufassung von Simon Boccanegra. 1884 begegnete er erstmals der Schauspielerin Eleonora Duse (1858–1924), verliebte sich jedoch erst beim Wiedersehen kurze Zeit nach der Uraufführung des Otello (5. Februar 1887) in sie. 1889 begann Boito die Arbeit am Textbuch zu Verdis letzter Oper Falstaff; im Sommer 1890 kühlte sich die Beziehung Boitos zu Duse ab und drei Jahren später am 9. Februar 1893 feierte er mit der Uraufführung des Falstaff den letzten großen Triumph seines Lebens.
1893–1918
Bis zu Verdis Tod (27. Januar 1901) war er mit dem Komponisten im engsten sinne freundschaftlich verbunden, besuchte ihn mehrmals im Jahr und vermittelte die Uraufführung von dessen letztem Werk, den Quattro pezzi sacri in Paris (7. April 1898). Wie bis heute erforscht wechselden beiden 401 Briefe Telegramme und Mitteilungen gegenseitig miteinander aus. 1895 setzte er sich zusammen mit Giulio Ricordi und anderen für die Verbesserung der Autorenrechte ein... 1898 verliebte er sich in Velleda Ferretti. 1903 erkrankte er erstmals an Angina Pectoris. 1910 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen, und 1911/12 wurde er Mitinitiator des Scala-Museums. Am 17. März 1912 wurde er zum Senator ernannt und stimmte am 20. Mai 1915 für den Eintritt Italiens an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg. 1917 besuchte er die Front, darauf verschlimmerte sich seine krankheit Angina Pectoris, worauf Eleonora Duse nach Mailand (24. Dezember 1917 – 17. Januar 1918), traf aber nicht mit ihm zusammen. Am 19. Mai 1918 schrieb er ihr zum letzten Mal dann starb er am Morgen des 10. Juni 1918. Er wurde auf dem Cimitero Monumentale in Mailand beigesetzt.
Nerone
Sein ewig in Entstehung befindliches Werk, Nerone (begonnen 1862!), vollendete er nie. Erst nach einer Bearbeitung von Antonio Smareglia, Vittorio Tommasini und Arturo Toscanini wurde das großartige nicht verstandene Werk am 1. Mai 1924 unter Toscaninis Leitung in Mailand (Scala) uraufgeführt. Und so bleibt noch... als Schriftsteller benutzte Boito zeitweise ein Anagramm seines Namens als Pseudonym: Tobia Gorrio. Der Architekt Camillo Boito der entwerfer der Casa di Riposo Giuseppe Verdi in Mailand ist der Bruder von Arrigo Boito.